Pergament mit Papierstücken, unregelmäßig beschnittenes Blatt
290 x 182 mm
Sammlerbeschriftung auf dem Blatt: „13.–14. Jahrh. Matth. Evang. 1“, auf dem alten Passepartout „13.–14. Jahrh.“
Das Fragment besteht aus einem einzelnen Blatt, das im Laufe der Zeit eine neue Funktion erhalten und als Buchumschlag wiederverwendet wurde. Diese sekundäre Nutzung wird besonders am oberen Rand des Blattes sichtbar, wo Spuren der Verarbeitung als Umschlag erkennbar sind. Der große Unterschied in der Beschmutzung zwischen Recto– und Verso-Seite deutet darauf hin, dass die Rückseite nach außen gedreht war, während die Vorderseite im Inneren lag. Dabei sind die Stege von der Verso-Seite, jetzt oben und unten, nach innen gefaltet worden. Üblicherweise wurden solche Bände mit einer Art Pappe verstärkt.
Auffällig ist eine Notiz auf der Vorderseite, die vermutlich im 17. Jahrhundert am rechten Seitenrand hinzugefügt wurde. Die Lesbarkeit dieser Schriftpassage ist durch Abnutzung stark eingeschränkt. Das Fragment wurde im 20. Jahrhundert an beiden Seiten – vielleicht von Hanny Franke selbst – mit Klebeband oder ähnlichem Material repariert. Die im Laufe der Zeit entstandenen Löcher wurden jedoch nicht repariert. Franke notierte „13.–14. Jahrh. Matth. Evang. 1“ auf dem Blatt.
Trotz dieser Eingriffe sind die ursprüngliche Struktur und das Schriftbild der Handschrift weitgehend erkennbar. Die Pergamenthandschrift lässt sich ins 14. Jahrhundert datieren und zeigt den Text eines Missals, also eines Messbuches. Der Textinhalt des Blattes umfasst liturgische Passagen zu den Weihnachtsmessen, wie sie im Liber sacramentorum überliefert sind. Dazu gehören auch Texte aus dem Matthäusevangelium.
Aus den Größenverhältnissen lässt sich rückschließen, dass das Blatt ursprünglich das Format eines Folios hatte. Der Text ist in einer gotischen Textura geschrieben. Diese Schriftart zeichnet sich durch ihre eckigen Formen aus und war im mittelalterlichen liturgischen Kontext weit verbreitet. Um die Textstruktur zu verdeutlichen und den Leser in der Messe zu unterstützen, sind für neue Abschnitte Lombarden in Rot und Blau angebracht worden. Zudem wurde die Handschrift rubriziert, wodurch zentrale Passagen optisch hervorgehoben und die Orientierung innerhalb des Textes erleichtert werden.
Janne van der Loop
Bitte zitieren nach der Druckfassung: Janne van der Loop, Missale mit Lesung aus dem Matthäusevangelium, 14. Jahrhundert, in: Kristin Böse und Sita Steckel (Hg.), Tinte und Gold. Fragmente mittelalterlicher Handschriften aus der Sammlung von Hanny Franke, Eschborner Museumsschriften 10, Eschborn 2025, S. 44.
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