Fragment: SIH-0015
Heiligen-Suffragien zum Hl. Claudius und Hl. Antonius, 15. Jahrhundert
Pergament, beschnittenes Einzelblatt
18,8 x 11,4 cm
Alt-Nr. 17. Notiz Hanny Franke: „15. Jahrh. Blatt aus einer Heiligenlegende französisch“
Das Fragment besteht aus einem einzelnen, beidseitig beschriebenen Blatt. Es scheint beschnitten worden zu sein und weist altersbedingte Fleckchen und Verfärbungen auf. Der Text wurde in Tinte auf Hilfslinien geschrieben, die den Schriftspiegel noch erkennen lassen.
Das Layout ist sehr einfach und klar strukturiert. Der Schriftspiegel ist schmal und wird an drei Seiten von einem schlichten, ockerfarbenen Streifen gerahmt. Feine rote Linien deuten dabei einen Rahmen an und lassen den Streifen dreidimensional wirken. Die Ränder sind recht breit und zeigen keine Gestaltung. Der Textspiegel wird durch Absätze und vereinzelt durch farbige Formen gegliedert. Beide Seiten des Blattes zeigen jeweils eine, relativ kleine figürliche Darstellung. Bei diesem Fragment steht augenscheinlich der Text im Vordergrund und die Gestaltung hat entweder gliedernde oder visualisierende Zwecke. Angemerkt sei, dass die vom Sammler als Vorderseite bestimmte Blattseite offenbar die Verso-Seite des Blattes im ursprünglichen Buch war. Dies ergibt sich aus der Rahmengestaltung, da sich ein Rahmen normalerweise zum Falz hin öffnet. Auch der Text läuft in der entsprechenden Reihenfolge durch.
Die Schrift lässt sich als französische Bastarda einordnen, was den einzigen Hinweis auf die Herkunft der Handschrift gibt (Jacobi 1991, S.157f.). Beim lateinischen Text scheint es sich um eine Heiligensuffragie (Gebet an einen Heiligen) aus einem Stundenbuch zu handeln, da der Text dem vorgegeben Schema aus Antiphon, Vers und einem Schlussgebet (Oratio) folgt. Eineinhalb Seiten des Fragments enthalten ein Suffragium an den Heiligen Claudius. Auf der heute vorne liegenden Seite beginnt das Suffragium an den Heiligen Antonius. Die zwei figürlichen Darstellungen scheinen den Text des jeweiligen Heiligen zusammen mit der darüberliegenden Textzeile einzuleiten. Beide beginnen mit „De sancto“ und enden mit „Ana“. Es finden sich auch inhaltliche Parallelen zu anderen Stundenbüchern. Die beigefügten Attribute ermöglichen die Identifizierung der Heiligen. So zeigt die Darstellung des Antonius einen bärtigen Mann mit Stab, zu dessen Füßen ein Schwein abgebildet ist. Dieses ist ein typisches Attribut des Heiligen Antonius des Großen (†356) (Keller 2018, S 54f.). Die zweite Darstellung dürfte den Heiligen Claudius von Condat (†699) zeigen, da die Figur einen Stab und eine Mitra trägt, die auf sein Amt als Bischof verweisen. Da es nur wenige gestalterische oder bildliche Elemente gibt, ist eine zeitliche Einordnung auf diesem Weg schwierig.
Scarlett Reichert
Bitte zitieren nach der Druckfassung: Scarlett Reichert, Heiligen-Suffragien zum Hl. Claudius und Hl. Antonius, 15. Jahrhundert, in: Kristin Böse und Sita Steckel (Hg.), Tinte und Gold. Fragmente mittelalterlicher Handschriften aus der Sammlung von Hanny Franke, Eschborner Museumsschriften 10, Eschborn 2025, S. 37.
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