Das beidseitig beschriebene Fragment wurde aus einer Pergamentseite ausgeschnitten, wobei es wahrscheinlich um die Initiale P ging, die im Vergleich mit anderen ausgeschnitten Initialen der Sammlung recht großzügig zugeschnitten ist [Link]. Der Sammler bestimmte diese Seite zur Ansichtsseite. Das Fragment ist in gutem Erhaltungszustand, doch fehlen ihm (mind.) zwei Seitenränder. EInige dunklere Verfärbungen sind insbesondere an der letzten Zeile der verso-Seite zu erkennen.
In der oberen Hälfte beider Seiten ist je ein Ausschnitt eines Fließtextes zu erkennen, der durch eine Initiale von darauffolgenden Neumen [Link ###] abgetrennt wird. Hierbei nimmt die fleuronée-Initiale [Link 5.4.] den Großteil der Vorderseite ein. Die Rückseite hingegen zeigt ein ausgewogeneres Bild.
Die überwiegend schwarze Schrift weist über das gesamte Fragment hinweg eine klare Kontur auf. Für Initialen und Rubrizierung wurde rote und blaue Tinte verwendet. Unter der Schrift scheint in Bleistift die Vorzeichnung des Liniensystems durch, dessen rechter Rand auf der Rückseite allerdings deutlich überschrieben wurde. An einigen Stellen ist die Tinte leicht verwischt, beispielsweise unten links am Ausläufer der Initiale „P“ sowie in dessen Binnenraum. In der oberen verso-Hälfte am Rand befindet sich in Bleistift eine römische Zahl XV, deren Bedeutung leider nicht mehr genau zu klären ist.
Die verwendete Schrift lässt sich als gotische Textura identifizieren und erlaubt eine Datierung auf die Zeit des 13. oder 14. Jahrhunderts, was eine zeitliche Eingrenzung der Entstehung des Fragments zulässt. Die prächtige Fleuronnée-Initiale besteht aus einem in Rot und Blau gehaltenen Buchstabenkörper mit Binnenfeldornamentik und Ausläufern in Form von Fadenranken.
Inhaltlich lassen sich Ausschnitte von Gebetstexten und liturgischen Gesängen entziffern. Diese Kombination aus Schrift und Notensystemen lässt den Schluss zu, dass das Fragment einem Messbuch entstammt. Dabei lässt sich inhaltlich am deutlichsten mit der letzten Zeile
Fragment: SIH-0020
Fragment eines Messbuchs, 13.-14. Jahrhundert
Das beidseitig beschriebene Fragment wurde aus einer Pergamentseite ausgeschnitten, wobei es wahrscheinlich um die Initiale P ging, die im Vergleich mit anderen ausgeschnitten Initialen der Sammlung recht großzügig zugeschnitten ist [Link]. Der Sammler bestimmte diese Seite zur Ansichtsseite. Das Fragment ist in gutem Erhaltungszustand, doch fehlen ihm (mind.) zwei Seitenränder. EInige dunklere Verfärbungen sind insbesondere an der letzten Zeile der verso-Seite zu erkennen.
In der oberen Hälfte beider Seiten ist je ein Ausschnitt eines Fließtextes zu erkennen, der durch eine Initiale von darauffolgenden Neumen [Link ###] abgetrennt wird. Hierbei nimmt die fleuronée-Initiale [Link 5.4.] den Großteil der Vorderseite ein. Die Rückseite hingegen zeigt ein ausgewogeneres Bild.
Die überwiegend schwarze Schrift weist über das gesamte Fragment hinweg eine klare Kontur auf. Für Initialen und Rubrizierung wurde rote und blaue Tinte verwendet. Unter der Schrift scheint in Bleistift die Vorzeichnung des Liniensystems durch, dessen rechter Rand auf der Rückseite allerdings deutlich überschrieben wurde. An einigen Stellen ist die Tinte leicht verwischt, beispielsweise unten links am Ausläufer der Initiale „P“ sowie in dessen Binnenraum. In der oberen verso-Hälfte am Rand befindet sich in Bleistift eine römische Zahl XV, deren Bedeutung leider nicht mehr genau zu klären ist.
Die verwendete Schrift lässt sich als gotische Textura identifizieren und erlaubt eine Datierung auf die Zeit des 13. oder 14. Jahrhunderts, was eine zeitliche Eingrenzung der Entstehung des Fragments zulässt. Die prächtige Fleuronnée-Initiale besteht aus einem in Rot und Blau gehaltenen Buchstabenkörper mit Binnenfeldornamentik und Ausläufern in Form von Fadenranken.
Inhaltlich lassen sich Ausschnitte von Gebetstexten und liturgischen Gesängen entziffern. Diese Kombination aus Schrift und Notensystemen lässt den Schluss zu, dass das Fragment einem Messbuch entstammt. Dabei lässt sich inhaltlich am deutlichsten mit der letzten Zeile auf der Vorderseite arbeiten: „et filius datus est nob-“ ist, ergänzt als „et filius datus est nobis“ (‚ein Sohn ist uns geschenkt‘). Diese Liedzeile führt bei sinnvoller Ergänzung zur Bibelstelle Jesaja 6, 9, die im liturgischen Jahr für den 25. Dezember, die Geburt Christi , vorgesehen war. Das Fragment ist damit eines von mehreren der Sammlung, die Weihnachtsliturgie enthalten. Die dem Sammler Hanny Franke zuzuordnende Beschriftung des Passepartouts notiert „14. Jahrh./4 Notenlinien“ und „Hufnagel-Noten, 13.–14. Jh.“ und weist damit auf die Entwicklung musikalischer Notationssysteme hin.
Kaya Walter
Bitte zitieren nach der Druckversion: Kaya Walter, Textfragment mit Fleuronné-Schmuckinitiale „P“, 13. –14. Jahrhundert, in: Kristin Böse und Sita Steckel (Hg.), Tinte und Gold. Fragmente mittelalterlicher Handschriften aus der Sammlung von Hanny Franke, Eschborner Museumsschriften 10, Eschborn 2025, S. 20.
Zu den Literaturnachweisen

