Fragment: SIH-0034
Initiale mit Johannes dem Täufer, Florenz, 15. Jahrhundert
Pergament, unregelmäßig beschnittenes Blatt
12 x 12,5 cm
Das unregelmäßig ausgeschnittene Pergamentfragment zeigt auf seiner heutigen Vorderseite eine V-Initiale mit der Darstellung Johannes des Täufers über dem Stadtwappen von Florenz. Die ursprüngliche Ausrichtung auf der Seite ist nicht mehr erkennbar. Rückseitig ist ein vierzeiliges Liniensystem in Rot mit Quadratnotationen erhalten. Ein einzeiliger, sicherlich lateinischer Text darüber lässt sich nicht identifizieren. Unterhalb der Notation sind weitere Buchstaben angeschnitten. Das Fragment stammt vermutlich aus einem großformatigen Chorbuch, worauf die Größe des Fragments schließen lässt. Rückseitige Klebespuren, am linken Rand, deuten darauf hin, dass das Fragment ursprünglich vielleicht in einem Album oder Rahmen eingeklebt war.
Die heutige Vorderseite präsentiert eine V-Initiale in goldener Tusche, die in ihrem Innern die halbhohe Darstellung Johannes des Täufers einschließt. Er ist an seinem ihn als Eremiten ausweisenden Fellgewand erkennbar. Ein roter Mantel ist kunstvoll darüber geknotet. Johannes Baptist trägt einen Kreuzstab mit einer daran befestigten Schriftrolle, deren Schriftzug: „Ecce agnus dei“ (Siehe, das Lamm Gottes) sich auf Johannes‘ Ausruf in Joh 1,29 und 1,36 bezieht, der das Erkennen Jesu Christi als Messias und damit Johannes prophetische Gabe vermittelt: „Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Johannes lehnt sich über eine mit einer Florentiner Lilie geschmückte Brüstung und verweist mit dem Gestus seiner rechten Hand auf den nachfolgenden Text, der nur noch angeschnitten ist. Die historisierte Initiale ist von plastisch moduliertem rotem, blauem und grünem Blattwerk mit vereinzelten roten Blumen umgeben.
Kristin Böse
Bitte zitieren nach der Druckfassung: Kristin Böse, Initiale mit Johannes dem Täufer, Florenz, 15. Jahrhundert, in: Kristin Böse und Sita Steckel (Hg.), Tinte und Gold. Fragmente mittelalterlicher Handschriften aus der Sammlung von Hanny Franke, Eschborner Museumsschriften 10, Eschborn 2025, S. 31.
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